31.07.2014

Bündnisauftakt am 4. August 2014 in Berlin

Zum Auftakt des ersten Equal Pension Day 2014 haben sich das Bundesforum Männer, der Verband alleinerziehender Mütter und Väter e. V. (VAMV), der Verband berufstätiger Mütter e. V. (VBM ) und women&work (Messekongress für Frauen) zu einem Bündnis zusammengeschlossen. Dieser Aktionstag ist eine Initiative des VBM. Gemeinsam will sich das Bündnis am Stichtag für Chancen-, Geschlechter- und Generationengerechtigkeit einsetzen und mahnt an, die bestehende Rentenlücke zwischen Frauen und Männern zu schließen, indem die Weichen für die Zukunft hin zu einer eigenständigen Absicherung bis ins Alter gestellt werden.

Nach dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sind Frauen und Männer gleichgestellt. Doch die aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Statistik offenbaren eine ganz andere Wirklichkeit: Frauen verdienen nicht nur weniger, sie erhalten auch nach einer Lebensleistung weniger Rente als Männer. Aktuell beträgt die Rente von Frauen aus eigenständig erworbenen Ansprüchen durchschnittlich knapp 60 Prozent weniger als die der Männer. Auch bei Betrachtung der gesamten Alternseinkünfte – also inklusive abgeleiteter Ansprüche – liegt die Rentenlücke bei durchschnittlich 42 Prozent.

Als Ursachen hierfür sind vor allem die familienbedingten Erwerbsunterbrechungen für Kindererziehung, Bildungsbegleitung oder Pflege von Angehörigen zu nennen. Familienbedingte Arbeitszeitreduzierungen verbunden mit schlechteren beruflichen Perspektiven und Karriereoptionen sowie die unterschiedliche Bezahlung zwischen Frauen und Männern (Gender Pay Gap) kommen ebenfalls zum Tragen.

Auch wenn Paare sich einvernehmlich dafür entscheiden, dass Frauen zugunsten der Familie beruflich zurückstecken, liegen die langfristigen Risiken weiter einseitig bei Frauen und wirken sich negativ auf ihre Alterssicherung aus. Angesichts der Erosion von existenzsichernden Normalarbeitsverhältnissen, hohen Scheidungszahlen sowie mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel zu mehr Partnerschaft in den Familien brauchen (insbesondere) Mütter eine verlässliche finanzielle Perspektive bis ins hohe Alter.

Aktionstag Equal Pension Day

Der Gender Pension Gap von heute zeigt die ungleiche Verteilung der Erwerbschancen von gestern. Dem Gender Pension Gap soll langfristig wirksam begegnet werden. Hierfür werden im Laufe der Zusammenarbeit innerhalb des Bündnisses gemeinsam Lösungsansätze, Forderungskataloge und Stellungnahmen erarbeitet.

Mit Einführung des Equal Pension Days möchte das Bündnis öffentlichkeitswirksam den Rentenunterschied zwischen Frauen und Männern problematisieren, die Diskussion über Handlungsbedarfe anstoßen und Frauen und Männer – durch alle Schichten, Generationen und Familienkonstellationen – mit Blick auf eigene Entscheidungen für den Gender Pension Gap sensibilisieren. Mit einem geschärften Problembewusstsein haben diese dann eine andere Entscheidungsgrundlage für die Wahl ihres Familien-, Arbeits- und Lebensmodells, sodass sie in ihre heutigen Entscheidungen auch die Wirkungen in der Zukunft einfließen lassen.

Mit dem Equal Pension Day sollen Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik und Wirtschaft angemahnt werden, die Rahmenbedingungen für echte Wahlfreiheit unter dem Aspekt Chancen-, Geschlechter- und Generationengerechtigkeit in der Lebensverlaufsperspektive zu schaffen. Im (sinkenden) Gender Pension Gap lässt sich die umfassende Erfüllung des GG Artikel 3 (2) langfristig messen.

Beim ersten Aktionstag Equal Pension Day am 4. August stellte sich das Bündnis bei einem Pressegespräch mit seiner verabschiedeten Präambel vor. Auch die neue Homepage zum Equal Pension Day wurde präsentiert. Als besonderes Highlight war außerdem erstmalig der Kino-Werbespot zu sehen, der eigens zum Equal Pension Day produziert wurde.

Das Bündnis

Die inzwischen 34 Mitglieder des BUNDESFORUM MÄNNER bekennen sich zur Geschlechtergerechtigkeit als Grundprinzip ihrer gemeinsamen Arbeit. In diesem Sinne setzen sie sich dafür ein, dass alle Geschlechter gleichberechtigt im Fokus der politischen und gesellschaftlichen Gestaltung stehen. Damit wenden sie sich gegen jegliche geschlechtliche Diskriminierung.

Der VAMV vertritt seit 1967 als bundesweiter Familienverband die Interessen von heute 2,7 Millionen Alleinerziehenden. Der VAMV fordert die Anerkennung von Einelternfamilien als gleichberechtigte Lebensform und entsprechende gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Er tritt für eine verantwortungsvolle gemeinsame Elternschaft auch nach Trennung und Scheidung ein.

Der VBM wurde 1990 in Köln gegründet und ist inzwischen in über 22 Regionalstellen bundesweit vertreten. Als gemeinnütziger und überparteilicher Lobbyverband für berufstätige Mütter tritt er seit über 20 Jahren für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie – für Frauen und Männer – ein und engagiert sich hierbei in verschiedenen Gremien und Kooperationen auf Kommunal-, Landes- sowie Bundesebene.
Das VBM-Dschungelbuch, ein Leitfaden für berufstätige Mütter & Väter und solche, die es noch werden wollen.
Equal Pension Day, eine Initiative des VBM e. V.

Auf der women&work, Deutschlands größtem Messekongress für Frauen, treffen Besucherinnen auf knapp 100 Top-Arbeitgeber, die nach weiblicher Verstärkung Ausschau halten. Bewerbergespräche, Vorträge und ein umfangreiches Kongress-Programm helfen beim persönlichen Networking und bei der erfolgreichen Karriereplanung.
Die nächste women&work findet am 25. April 2015 in Bonn statt.

  • Edith Schwab, VAMV

    „Alleinerziehende erbringen täglich eine enorme Leistung für ihre Kinder und für sich. Dass sie als Frauen im Alter mit zum Teil niedrigsten Renten abgespeist werden, ist unserer Gesellschaft unwürdig. Was fehlt, sind angemessene Rahmenbedingungen. Eine entschlossene und wirksame Politik zur Schließung des Gender Pension Gap ist aus Sicht des VAMV überfällig.“

    Rechtsanwältin Edith Schwab, ehemals Vorsitzende des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V.

  • Cornelia Spachtholz, VBM

    Statement
    "Mit dem neu etablierten Aktionstag möchten wir junge Paare, Mütter und Väter sensibilisieren, in ihre heutigen Entscheidungen zur Vereinbarkeit auch die langfristigen Folgen für ihre zu erwartenden Alterseinkünfte zu berücksichtigen. Wir möchten auch die Entscheiderinnen und Entscheider der politischen Ebene sowie der Wirtschaft anmahnen, die Handlungsempfehlungen des 1. Gleichstellungsberichts der Bundesregierung aus 2011 sowie die Ergebnisse der Evaluation der ehe- und familienpolitischen Leistungen zu berücksichtigen bzw. umzusetzen. Für eine echte Wahlfreiheit des Familien-, Arbeits- und Lebensmodells beider Geschlechter geht es um die konsequente Umsetzung des GG 3 (2). Es geht um Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit, und angesichts der Verlagerung heutiger Probleme in die Zukunft auch um Generationengerechtigkeit."

    Cornelia Spachtholz, Vorstandsvorsitzende des Verbandes berufstätiger Mütter VBM e.V.

  • Hans-Georg Nelles, Bundesforum Männer

    "Mit der Unterstützung des ‚Equal Pension Days‘ verbindet das BUNDESFORUM MÄNNER die Erwartung, dass gesellschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen dahingehend beeinflusst werden, dass junge Männer und Frauen ihre Vorstellungen einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit auch als Väter und Mütter leben können und die in dieser Situation einvernehmlich getroffenen Entscheidungen im Übergang zum Ruhestand in Zukunft nicht mehr dazu führen, dass ein ‚Gender Pension Gap‘ entsteht."

    Hans-Georg Nelles, Geschäftsführender Vorstand Bundesforum Männer

  • Melanie Vogel, women&work

    „Der Equal Pension Day ist ein Aktionstag, den ich als Initiatorin und Veranstalterin der women&work nur zu gerne unterstütze, denn er zeigt: Geld verdienen darf für uns Frauen kein Luxus sein, sondern muss – im Sinne unserer persönlichen Zukunftsfähigkeit – zu einer Selbstverständlichkeit werden. Frauen und Männer werden im Zeitalter des demografischen Wandels in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gebraucht. Auf Augenhöhe, gleichberechtigt und gleichwertig. Im Sinne einer innovationsfähigen und zukunftsgerichteten Gesellschaft ist es wichtig, an den entscheidenden Stellschrauben zu drehen, damit genau das möglich ist. Der Equal Pension Day hilft dabei, weil er sehr deutlich auf einen nicht tragbaren Missstand hinweist und alle Beteiligten aufruft, aktiv zu einer Verbesserung beizutragen.“

    Melanie Vogel, Geschäftsführende Gesellschafterin der AGENTUR ohne NAMEN, Veranstalterin der women&work