04.07.2014

Gleiche Rente für Frauen und Männer

Der Verband berufstätiger Mütter (VBM) e. V. weist auf die ungleichen Rentenansprüche von Frauen und Männern hin und ruft den Equal Pension Day ins Leben – zahlreiche Bündnispartner haben bereits ihre Unterstützung signalisiert.

Der VBM-Vorstand freut sich auf den 1. Equal Pension Day. Foto: Anne Orthen

Berlin. Es gibt viele gute Gründe, warum Frauen sich dafür entscheiden, nach ihrer Schwangerschaft nicht mehr in den Beruf zurückzukehren. Oder dauerhaft eine Teilzeitstelle anzunehmen. Oder vielleicht einen Minijob. Aber es gibt mindestens ebenso viele gute Gründe für Frauen, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Auf einen davon – nämlich auf die drohende Altersarmut von Müttern – weist dieses Jahr der sogenannte Equal Pension Day hin, den der Verband berufstätiger Mütter VBM e. V. initiiert. „Die Altersarmut unter den Frauen ist gravierend. Wirklich erschreckend ist, dass Frauen durchschnittlich knapp 60 Prozent weniger Rente durch eigen erworbene Ansprüche erhalten als Männer", umreißt Cornelia Spachtholz, die Vorstandsvorsitzende des Verbandes, das Problem. Unter den Frauen seien es besonders die Mütter, die im Alter auf die Solidargemeinschaft angewiesen sind.

Um auf diesen Umstand hinzuweisen und besonders junge Paare und Familien für dieses Thema zu sensibilisieren, hat Spachtholz für den VBM e. V. die Idee des Equal Pension Days entwickelt.

Während der Equal Pay Day jedes Jahr im März darauf hinweist, dass eine Frau statistisch gesehen durchschnittlich fast drei Monate länger arbeiten muss, um das gleiche Gehalt wie ein Mann mit identischer Qualifikation zu verdienen, fällt der Equal Pension Day dieses Jahr auf den 4. August. Das Datum verdeutlicht, dass es rund sieben Monate länger dauert, bis eine Frau durchschnittlich die gleiche Rente wie ein Mann erhält.

Zahlreiche Organisationen haben bereits ihre Unterstützung zur VBM Initiative signalisiert. „Unser Ziel ist, ein breites Bündnis von Expertinnen und Experten zu schaffen, die mit ihrem langjährigen Engagement für Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit sowie gegen Altersarmut den Equal Pension Day als markanten symbolischen Stichtag auf ihre Agenda setzen, um gemeinsam die Öffentlichkeit wachzurütteln", erläutert Spachtholz. Der Equal Pension Day soll Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik und Wirtschaft erinnern, die Umsetzungen der Handlungsempfehlungen des 1. Gleichstellungsberichtes der Bundesregierung einzufordern bzw. umzusetzen und die Ergebnisse der Evaluation der ehe- und familienpolitischen Leistungen zu berücksichtigen.

Begleitet wird die VBM-Initiative durch wissenschaftliche Expertinnen, um Ursachen und Dauer des sogenannten Gender Pension Gap enger in den Blick zu nehmen, den das Bundesfamilienministerium bereits 2011 durch eine Studie mit Zahlen belegt hat. Die Gründe für das Phänomen sind leicht benannt: Frauen, insbesondere Mütter, unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger, sie arbeiten nicht voll oder sind nur geringfügig beschäftigt. Die Möglichkeiten, ausreichend eigenständige Rentenanwartschaften aufzubauen, sind unter diesen Umständen beschränkt. „Für viele, auch hoch qualifizierte Frauen, ist es in Deutschland noch immer nicht attraktiv genug, vollzeit(nah) erwerbstätig zu sein. Mit dramatischen Folgen für das Alter", macht Spachtholz deutlich. Starre Arbeitszeitmodelle, mangelhafte Kinderbetreuungsmöglichkeiten und ein traditionelles Rollenverständnis in den Köpfen schreckten sie ab. Auch finanziell haben durch das Ehegattensplitting die Paare einen Vorteil, bei denen ein Partner deutlich weniger verdient als der andere. Parallel dazu erkennt das aktuelle Rentensystem die Leistung von Müttern in der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder nicht adäquat an und vergibt nur Rentenpunkte für maximal drei Erziehungsjahre. Erschwerend kommt hinzu, dass Frauen häufig in den sogenannten typischen Frauenberufen arbeiten, in denen niedrige Löhne die Regel sind.

„Aus Erfahrung wissen wir, dass junge Eltern sich bei der Familiengründung sehr stark davon leiten lassen, ob sich Beruf und Familie akut vereinbaren lassen und ob es sich direkt auf dem Konto auszahlt", sagt die Vorsitzende des VBM e. V. Die langfristigen Konsequenzen dieser Entscheidung kalkulieren die meisten nicht mit ein, nämlich dass Frauen spätestens im Alter ohne weitere vertragliche Absicherung in ihrer Ehe nicht mehr in der Lage sind, ihre eigene Existenz zu sichern. Und das, obwohl Scheidungen mehr oder weniger an der Tagesordnung sind.

Der Equal Pension Day will das jetzt ändern. Auch bei den Wirtschaftsvertretern und Arbeitgebern soll ein Umdenken stattfinden, Schlagworte sind hier zum Beispiel „Führen in Teilzeit" und „ergebnisorientiertes Arbeiten". Ebenso sollen die politischen Akteurinnen und Akteure ihr Bewusstsein für die Altersvorsorge von Müttern schärfen und sich dabei an der Handlungsempfehlung des 1. Gleichstellungsberichtes orientieren. Altersarmut ist nicht nur ein persönliches Schicksal. „Nicht zuletzt belastet sie – aktuell und zukünftig noch verstärkt – die Sozialkassen. Heutige Probleme werden wie so oft in die Zukunft verlagert. Im Falle der weiblichen Altersarmut geht es dann nicht ausschließlich um Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch um Generationengerechtigkeit. Deshalb braucht es ergänzend zu allen bisherigen Aktivitäten und Initiativen einen symbolischen Stichtag wie den Equal Pension Day, der für den erschreckenden Gender Pension Gap die Augen öffnet", betont Spachtholz.

 

Links

 

Bildunterschrift: Der VBM-Vorstand freut sich auf den 1. Equal Pension Day: v. links: Franziska Sprenger, Ulrike Wagner, Jasmin Link, Cornelia Spachtholz, Doro Engel, Beate Erbse, Rita Henning. Foto: Anne Orthen

  • Hans-Georg Nelles, Bundesforum Männer

    "Mit der Unterstützung des ‚Equal Pension Days‘ verbindet das BUNDESFORUM MÄNNER die Erwartung, dass gesellschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen dahingehend beeinflusst werden, dass junge Männer und Frauen ihre Vorstellungen einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit auch als Väter und Mütter leben können und die in dieser Situation einvernehmlich getroffenen Entscheidungen im Übergang zum Ruhestand in Zukunft nicht mehr dazu führen, dass ein ‚Gender Pension Gap‘ entsteht."

    Hans-Georg Nelles, Geschäftsführender Vorstand Bundesforum Männer

  • Cornelia Spachtholz, VBM

    Statement
    "Mit dem neu etablierten Aktionstag möchten wir junge Paare, Mütter und Väter sensibilisieren, in ihre heutigen Entscheidungen zur Vereinbarkeit auch die langfristigen Folgen für ihre zu erwartenden Alterseinkünfte zu berücksichtigen. Wir möchten auch die Entscheiderinnen und Entscheider der politischen Ebene sowie der Wirtschaft anmahnen, die Handlungsempfehlungen des 1. Gleichstellungsberichts der Bundesregierung aus 2011 sowie die Ergebnisse der Evaluation der ehe- und familienpolitischen Leistungen zu berücksichtigen bzw. umzusetzen. Für eine echte Wahlfreiheit des Familien-, Arbeits- und Lebensmodells beider Geschlechter geht es um die konsequente Umsetzung des GG 3 (2). Es geht um Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit, und angesichts der Verlagerung heutiger Probleme in die Zukunft auch um Generationengerechtigkeit."

    Cornelia Spachtholz, Vorstandsvorsitzende des Verbandes berufstätiger Mütter VBM e.V.

  • Melanie Vogel, women&work

    „Der Equal Pension Day ist ein Aktionstag, den ich als Initiatorin und Veranstalterin der women&work nur zu gerne unterstütze, denn er zeigt: Geld verdienen darf für uns Frauen kein Luxus sein, sondern muss – im Sinne unserer persönlichen Zukunftsfähigkeit – zu einer Selbstverständlichkeit werden. Frauen und Männer werden im Zeitalter des demografischen Wandels in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gebraucht. Auf Augenhöhe, gleichberechtigt und gleichwertig. Im Sinne einer innovationsfähigen und zukunftsgerichteten Gesellschaft ist es wichtig, an den entscheidenden Stellschrauben zu drehen, damit genau das möglich ist. Der Equal Pension Day hilft dabei, weil er sehr deutlich auf einen nicht tragbaren Missstand hinweist und alle Beteiligten aufruft, aktiv zu einer Verbesserung beizutragen.“

    Melanie Vogel, Geschäftsführende Gesellschafterin der AGENTUR ohne NAMEN, Veranstalterin der women&work

  • Edith Schwab, VAMV

    „Alleinerziehende erbringen täglich eine enorme Leistung für ihre Kinder und für sich. Dass sie als Frauen im Alter mit zum Teil niedrigsten Renten abgespeist werden, ist unserer Gesellschaft unwürdig. Was fehlt, sind angemessene Rahmenbedingungen. Eine entschlossene und wirksame Politik zur Schließung des Gender Pension Gap ist aus Sicht des VAMV überfällig.“

    Rechtsanwältin Edith Schwab, ehemals Vorsitzende des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V.